„Es ist nie zu spät…“ Rückblick auf unsere Netzwerkveranstaltung am 16.11.2017

Bei unseren Netzwerkveranstaltungen laden wir Personaler*innen und Ausbildungsverantwortliche aus Unternehmen und Fachkräfte aus Jobcentern und Arbeitsagenturen zum gemeinsamen Austausch über ein aktuelles Thema ein.

Dieses Mal beschäftigte uns die Frage:
Welche Ausbildungspotenziale gibt es im Gastgewerbe für die Altersgruppe 25+ und wie lassen sich diese nutzen?

In einem fachlichen Input informierten wir zunächst über bisher weniger bekannte Bereiche und Berufe im Gastgewerbe: Ein Beispiel ist die Ausbildung zur Fachkraft für Systemgastronomie: Die 3-jährige Ausbildung wird oft unterschätzt und mit Fast Food Ketten in Zusammenhang gebracht, wird jedoch z.B. auch im Le Buffet im KaDeWe oder bei Mövenpick angeboten. Auch die Ausbildung zum/zur Hauswirtschafter*in ist wenig bekannt, obwohl sie in sehr vielen Hotels ausgebildet wird und neben der Hotellerie auch Beschäftigungsmöglichkeiten z.B. in Pflegeeinrichtungen oder in Privathaushalten bietet. Neben Koch/Köchin und Restaurantfachmann/-frau, in denen der Nachwuchsbedarf besonders hoch ist, können für „Ältere“ mit ganz unterschiedlichen Vorerfahrungen auch Nischenberufe interessant sein.

Welche Erfahrungen haben Sie mit „älteren“ Auszubildenden? Welche Herausforderungen gibt es?

  • In der Diskussion wurde deutlich, dass mehrere Unternehmen bereits gute Erfahrungen haben, geschätzt wird vor allem die hohe Motivation, Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit der Auszubildenden.
  • Auch die Möglichkeit der betrieblichen Umschulung ist bekannt, es wurde darauf hingewiesen, dass hier sowohl für den Betrieb als auch für die Auszubildenden erhöhte Anforderungen bestehen, denn alle erforderlichen Kompetenzen müssen in der auf zwei Jahre verkürzten Ausbildungszeit erworben werden.
  • Eine besondere Herausforderung für ältere Personen in der Umschulung oder Ausbildung sind finanzielle Aspekte: Während jüngere Auszubildende während der Erstausbildung teilweise noch bei den Eltern wohnen und meist weniger finanzielle Verpflichtungen haben, ist die finanzielle Situation für ältere Interessierte z.B. in der Umschulung mit einer Vergütung von 70% des letzten Gehalts oft schwierig. Verschiedene Förderinstrumente von Jobcenter und Agentur für Arbeit können unterstützend wirken. Hier können Unternehmen im konkreten Fall die Qualifizierungsberatung der Arbeitgeberdienste in Anspruch nehmen.

Welche Themen beschäftigen Sie in der Personalentwicklung und Vermittlung?

  • Ein aktuelles Thema ist für Unternehmen und Arbeitsverwaltung die Zusammenarbeit mit Geflüchteten. Die größte Hürde ist hier die Sprachkompetenz, die bisherigen Erfahrungen und auch die Einschätzung der IHK zeigen, dass für eine Ausbildung ein Sprachniveau von mindestens B2 unbedingt erforderlich ist.
  • Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bzw. Privatleben wird immer wieder als Einstellungshürde im Gastgewerbe genannt. Ein Modell, das noch nicht sehr bekannt ist: Die Teilzeitberufsausbildung bietet jungen Müttern und Vätern sowie Pflegenden die Möglichkeit, die wöchentliche Ausbildungszeit zu verkürzen.
  • Ein großes Thema in der Vermittlung sind die Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Personen mit Lernbeeinträchtigungen. Hier gilt es, neben der außerbetrieblichen Ausbildung und speziellen Berufen wie Fachpraktiker*in Küche (ehem. Beikoch) auch betriebliche Möglichkeiten weiter zu erschließen.

Wie immer bei unseren Veranstaltungen gab es in den Diskussionen und in der Pause auch Gelegenheit, sich über andere aktuelle Fragen z.B. über Bewerbungsablauf, Einstellungskriterien und Eignung von Teilnehmenden auszutauschen.

 

2017-12-04T16:04:46+00:00 23 November 2017, 15:32|